Eine Show zum Staunen

Von Sigrid Jahn

VIENNA Mentalisten Adam Weiss und Alex Morgenthau verblüffen ihr Heppenheimer Publikum
HEPPENHEIM – Den Warnhinweis für den Beipackzettel gab’s gleich zu Beginn: „Unsere menschliche Wahrnehmung ist launisch und nicht sehr zuverlässig“, schworen Adam Weiss und Alex Morgenthau ihr erwartungsvolles Publikum in der Tanzschule „Vienna“ auf die Dinge zwischen Himmel und Erde ein, die mehr bedeuten sollen, als die Schulweisheit sich träumen lasse.

Weiss, Magier und Mentalist aus Berlin, und Morgenthau, Gedankenleser aus Frankfurt, präsentierten ihr gemeinsames Programm „Hirngespinste“ – eine rasante, witzige und professionell ausgetüftelte Show, bei der den Zuschauern zwei Stunden lang die Grenzen zwischen dem wahrscheinlich Möglichen und dem scheinbar Unmöglichen aufgezeigt wurden.
Müßig, sich zu fragen, wie all das Hexenwerk funktioniert hatte: Tricks, Absprachen, geschickte Fragetechnik, richtig gedeutete Mimik und Körpersprache der Probanden? Und wenn schon! Warum sich den Spaß verderben, wenn Unterhaltung so kurzweilig sein kann, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.
Wobei einige der verblüffenden Vorführungen durchaus geerdet waren.
Wie Alex Morgenthaus Flirt mit der geheimnisvollen Kreiszahl Pi, deren Berechnung Mathematiker von der Antike bis zur Moderne fasziniert hat und immer noch in Atem hält. Pi, deren Näherungswert 3,14 nur unzureichend ein Phänomen definiert, das als transzendent, irrational und fantastisch beschrieben wird, passte perfekt in den Rahmen der Performance.
Wobei sich das Memorieren der Nachkommastellen von Pi, dank Datenverarbeitung mittlerweile auf 22 Billionen berechnet, zu einer nahezu sportlichen Disziplin für Gedächtniskünstler entwickelt haben soll: Der inoffizielle Rekord mit 100 000 aufeinanderfolgenden Ziffern wird übrigens dem Japaner Akira Haraguchi zugeschrieben. „Ich bin nicht ganz so verrückt, ich kann nur die ersten zehntausend“, sagte Morgenthau, und das bewies er anhand von Stichproben, die ein Gast der Show ihm willkürlich aufgab. „Kann man das lernen, was ich mache? Man kann es trainieren.“

Sein Handwerk beherrscht auch Adam Weiss, hochkonzentriert bei einer Hypnosevorführung. „Keine Angst, es wird eine angenehme Erfahrung, ist ganz harmlos und du wirst dich fantastisch fühlen“, beruhigt er seine Probandin Marie aus dem Publikum, kombiniert das Ganze noch mit einem Kartentrick und wieder bleibt man als loyaler Beobachter des Geschehens verwundert zurück.
„Wie fühlt sich das an?“ fragt der Mentalist seine Versuchsperson. „Merkwürdig“, sagt sie, und ebenso verblüfft reagiert Sabine, die auf des Magiers Geheiß das Pendel in Schwingungen versetzt, einen Schlüssel in der geschlossenen Faust. Denn als der wieder zum Vorschein kommt, hat er sich – man hat es kommen sehen – wie bei Uri Geller total verzogen.
Zum Abschluss gibt es noch einen richtigen Krimi mit 20 Mitspielern, deren Rollen – Opfer, Täter, 18 Zeugen – verdeckt ausgelost werden. Die beiden Mentalisten verlassen mit Zuschauereskorte den Saal, die Beobachter schärfen ihre Sinne, der Tote in spe und der Missetäter steigen aufs Podium. Ersterer hält ein Buch in der Hand, letzterer zieht aus einem Kasten mit Seil, Messer und Pistole das Mordinstrument seiner Wahl und schreitet zur Tat, worauf sich beide wieder auf ihre Plätze begeben.
Inspector Columbo hätte es nicht besser gekonnt.

Weiss und Morgenthau, zurück im Saal, nehmen die Ermittlungen auf. Waffe und Opfer („intelligent, schon älter, Hundeliebhaber, graue, kurze Haare, ein bisschen konservativ und vermutlich Brillenträger“) sind von Weiss nach kurzer Berührung der fraglichen Gegenstände schnell enttarnt. Die Tätersuche zelebriert Morgenthau dann als Nervenkitzel: Er eliminiert in Windeseile alle übrigen 19 Verdächtigen (nanu? Fehler gemacht?), stutzt kurz, um dann genauso vehement auf die Täterin zu deuten, die sich schon in Sicherheit gewähnt hatte.

Merke: Understatement als Moment der Irreführung gehört auch zum Spiel – das hätte Inspector Columbo nicht besser hingekriegt.
 
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